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Archiv der Landschaft- und Siedlungsgeschichte

Nach dem Rückzug der Gletscher am Ende der letzten Eiszeit blieben hier im Untergrund mächtige Eisblöcke zurück, die erst allmählich abschmolzen. Das so entstandene Toteisloch wurde im Verlauf der letzen 15.000 Jahre mit Seeablagerungen und Torfen aufgefüllt. Eingewehte Pollenkörner, pflanzliche Reste, Sand- und Holzkohlepartikel können aus diesen Ablagerungen extrahiert werden, um die ökologischen Bedingungen aber auch die menschlichen Aktivitäten im Umfeld des Moores zu rekonstruieren.

 

Erste Rodungen sind mit dem Beginn des Ackerbaus in der Jungsteinzeit von circa 5.500 Jahren in Verbindung zu bringen: Siedlungsanzeigende Pollentypen lassen die erste Öffnung der Landschaft erkennen und erhöhte Werte im Sandgehalt weisen auf Bodenerosion hin. Auch die Jüngere Bronzezeit, die archäologisch durch Grabhügel im Umfeld des Moores vertreten ist, ist eine Phase intensiver Landnutzung und Viehhaltung.

 

Abb. 1: Pollenkörner verraten etwas über vorgeschichtliche Umweltveränderungen

(v. links n. rechts: Linde, Kiefer, Hasel, Erle)

 

Die Rekonstruktion der lokalen Bedingungen ergab, dass vor circa 2.500 Jahren das vom Grundwasser bespeiste Niedermoor in ein vom Regenwasser versorgtes Hochmoor übergegangen ist. An dem Bohrpunkt hat sich ein Torf aus Torfmoos und Wollgras gebildet, während nur wenige Meter davon entfernt die Opfergaben in einem Kolk (wassergefüllte Vertiefung) im Moor deponiert wurden.

 

Im Umfeld des Moores gibt es auch zahlreiche Funde aus der Wikingerzeit, so dass der Verdacht nahelag, dass Siedlungen kontinuierlich bestanden hätten. Im Pollendiagramm kann allerdings ein deutlicher Abbruch um 620 n. Chr. festgestellt werden. Die Siedlungs- und Wirtschaftsflächen in der Nähe des Moores müssen aufgelassen worden sein, so dass es zur Ausbreitung der Bäume auf den Brachflächen kam. Für rund 200 Jahre sind Siedlungszeiger nur in Spuren zu erfassen, während der Wald sich regenerierte.

 

 

 

Abb. 2: Das Pollendiagramm zeigt den vom Menschen verursachten Landschaftswandel

 

Abb. 3: Ein Bohrkern aus dem Zentrum des Thorsberger Moores

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